Delmenhorster Institut für Gesundheitsförderung (DIG)

Hebammenzentrale wird immer häufiger kontaktiert

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Die Beratungszahlen haben seit der Gründung der Hebammenzentrale Delmenhorst und Oldenburg-Land stetig zugenommen. Doch was heißt das für die Frauen, die sich hier melden?

WILDESHAUSEN – „86 Versuche eine Hebamme zu nden“, „Situation für Frauen gleichbleibend schlecht“, „Schlechte Chancen für Schwangere“ oder „Hebammen schlagen Alarm“: Das sind nur einige der Artikelüberschriften, die dem- oder derjenigen entgegenschlagen, wenn er oder sie auf NWZonline nach „Hebammen“ sucht. Dazwischen mischen sich Meldungen, dass Geburtsstationen geschlossen werden – in Nordenham, in Wittmund, Emden und auch in Oldenburg. Aber um diesen negativen Nachrichten etwas entgegenzusetzen: Die im Juli 2019 gegründete Hebammenzentrale „Delmenhorst und Oldenburg-Land“ kann auf gute Beratungszahlen und Vermittlungsquoten zurückblicken, wie der Pressesprecher des Landkreises Oldenburg, Oliver Galeotti, mitteilt.

Zahlen steigen

„Die Beratungen haben seit der Gründung stetig zugenommen“ berichtet Ulrike Wellborg freudig. Gemeinsam mit Ulrike Stubben und Susanne Kaina gehört sie zu den koordinierenden Hebammen in der Hebammenzentrale. 610 Kontakte hatten die drei bereits zu jungen Familien und werdenden Müttern. Davon konnten annähernd 90 Prozent an eine Hebamme weitervermittelt werden. „Diese Vermittlungsquote bewegt sich auf einem sehr hohem Niveau“ ergänzt Dr. Johann Böhmann, der Direktor des Delmenhorster Instituts für Gesundheitsförderung DIG, an das die Hebammenzentrale angedockt ist.

Viele Unsicherheiten

In der Corona-Zeit, das haben die drei beratenden Hebammen deutlich gemerkt, war die Nachfrage und der Bedarf extrem hoch. Wellborg hat zwei Vermutungen: „Zum einen haben die Familien Angst vor einer Infektion und sind unsicher, welche Auswirkungen sie im Zweifel auf das Ungeborene oder Neugeborene haben kann.“ Aber genauso sorgten sie sich um die Zustände in Krankenhäusern: Darf der werdende Papa – oder eine andere vertraute Person – bei der Geburt mit dabei sein? Wie sind die Besuchsregelungen, wie handhaben die Geburtsstationen das Thema Maskenp icht? „Wir haben beinahe eine Flucht aus den Krankenhäusern beobachtet“, beschreibt Wellborg einen E ekt. Frauen, die frisch entbunden hatten, seien tendenziell schneller nach Hause zurückgekehrt, als das ohne Corona der Fall gewesen wäre. Sie fühlten sich alleine gelassen.

Schnell nach Hause

Auch dafür gibt es laut der Expertin zwei Gründe. „Zum einen ist die erste Phase nach der Geburt besonders intensiv und sensibel. Und es ist für beide also frisch gebackene Mama und auch Papa – hart, die nicht gemeinsam verbringen zu können.“ Krankenhäuser seien derzeit aber auch aufgrund steigender Geburtenzahlen häu g überlastet, könnten nicht immer gute Betreuung leisten. (siehe Infobox). Um die landesweit problematische Betreuungssituation von Schwangeren zu verbessern und die engagierten und am Limit arbeitenden Hebammen zu entlasten, wurde sowohl im Landkreis als auch in Delmenhorst für absolute Notfälle eine Notfallsprechstunde eingerichtet.